Eine kurze Geschichte von Psychologie und KI

Ein Beitrag von Anja Linnenbürger, Head of Psychology und Fiete Grünter, Technical Lead der PRECIRE Technologies GmbH.

Psychologie ist die Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen. Während bereits die Philosophen der Antike sich mit dem Zusammenleben, Gefühlen und Verhalten von Menschen beschäftigten, ist Psychologie als eigenständige Wissenschaft erst im 19. Jahrhundert entstanden.

Hinführende Gedanken zur künstlichen Intelligenz (KI) finden sich bereits bei Denkern des 17. Jahrhunderts, die menschliche Handlungen, Gedankengänge und Prinzipien des Zusammenlebens mechanistisch betrachteten, wie Descartes, Leibniz oder Hobbes. Die mechanistische Betrachtung führt zu der Annahme, dass menschliches Verhalten und Denken auf Regeln basiert, die, wenn sie erkannt werden, auch eine Simulation über künstliche Intelligenz erlauben würden.

Mit der Entstehung der Psychologie als Wissenschaft und später der Hirnforschung, gab es detaillierte Erkenntnisse über menschliches Erleben und Verhalten, Lernen und das Gehirn. Diese Erkenntnisse sind die Basis für die Entwicklung künstlicher Intelligenz.

Zur Geburtsstunde der künstlichen Intelligenz:

Auf der Dartmouth Conference 1956 - kamen die Stränge offiziell bereits zusammen. Psychologen, Philosophen, angehende Informatiker und Mathematiker arbeiteten daran, Aspekte menschlicher Intelligenz so genau zu beschreiben, dass eine Maschine sie simulieren könnte. Die Forscher wollten dazu beitragen, dass Maschinen lernen Sprache zu verwenden, Probleme zu lösen, Konzepte zu entwickeln und sich selbst zu verbessern. KI funktioniert also nur als eine Kombination aus Psychologie und Informatik.

Nach diesem gemeinsamen Austausch gingen die Forscher getrennte Wege, oder sortierten sich zu fachspezifischen Forschungsgruppen. Obwohl KI und Psychologie so eng zusammengehören, war es meist eine einseitige Beziehung. So wurden für die Entwicklung von KI psychologische Erkenntnisse genutzt. Es hat aber kaum Rückfluss von Wissen stattgefunden. Die Forschungsrichtungen laufen also eher parallel als verwoben (Chamorro-Premuzic et al., 2017). Wobei es immer einzelne Forscher gab, die aus der Psychologie in die Informatik wechselten, oder beide Fachrichtungen berücksichtigten. Zum Beispiel Allen Newell, der ein Programm entwickelte, das logische Theoreme belegen konnte und ein Meilenstein in der KI-Forschung war. Oder J.C.R Licklider, der Psychologieprofessor war und als eine der Gründerfiguren der Forschung zu künstlicher Intelligenz gilt.

Auch wenn die Methoden der Informatik in der Psychologie bisher wenig Anwendung gefunden haben, gibt es weitere Überschneidungen. So verwendet die differentielle Psychologie seit jeher statistische Methoden. Die Zahlen werden genutzt, um individuelle Unterschiede in Bezug auf Eigenschaften oder Zustände zu beschreiben, zu messen, wie veränderbar sie sind und Korrelation zwischen verschiedenen Eigenschaften und Zuständen zu betrachten, zum Beispiel dem Zustand „freudig“ und dem Persönlichkeitsmerkmal „extravertiert“.

Ein Forschungsgebiet, das beide Disziplinen beschäftigt, ist die Sprache:

In der Psychologie finden sich neben den Forschungen zum Spracherwerb und einer Diskussion zwischen den Behaviouristen und den Kognitionspsychologen über die Alleinstellung der Sprache viele weitere sprachbezogene Forschungsthemen. Die Behavioristen haben Sprache als ein Verhalten gesehen, das genau wie anderes Verhalten durch Reaktionen der Umgebung geformt wird. In der kognitiven Psychologie wird Sprache zusätzlich durch Gefühle, Überzeugungen, Zustände und angeborene Tendenzen beeinflusst gesehen. Eine zentrale weitere Forschung beschäftigt sich mit der lexikalen Hypothese als Grundlage für die wichtigsten Persönlichkeitstests. Die lexikale Hypothese wurde zuerst 1884 von Galton formuliert und nimmt an, dass alle Persönlichkeitseigenschaften eines Menschen irgendwie in Sprache repräsentiert sind. Beschreibungswörter werden aus Wörterbüchern extrahiert und mathematisch zu Persönlichkeitsfaktoren gruppiert. Aus diesem Ansatz sind die Big Five Persönlichkeitsfaktoren entstanden. Zudem gibt es in der Psychologie um James Pennebaker eine große Forschungsrichtung, die sich mit quantitativer Sprachanalyse beschäftigt. Hier werden Wörter gezählt und zu linguistischen und psychologischen Kategorien geordnet. Pennebaker hat als erster Psychologe den intuitiven Schluss belegt, dass es Zusammenhänge zwischen dem Sprachgebrauch eines Menschen und seiner Persönlichkeit, der Verarbeitung von Erlebnissen, Status und vielem mehr gibt. Dafür hat er rein psychologische Methoden verwendet.

Im Bereich der KI gab es bereits bei der Gründungskonferenz die Idee, dass Maschinen Sprache anwenden könnten. 1966 ist dann der erste Chatbot entstanden – Eliza – der mit strukturierten Antworten auf Wörter antworten konnte, die Menschen in einen Computer eingaben. Der Chatbot simulierte einen Therapeuten und sein Erfinder Joseph Weizenbaum war so schockiert von der schnellen Bereitschaft der Menschen, ihre tiefsten Gedanken mit einem Computer zu teilen, dass er einer der größten Kritiker von KI wurde. Fast alle entwickelten Verfahren, die zu KI hinführten, beschäftigten sich mit Sprache. So hat das Neocognitron (1979) beispielsweise Handschriften erkannt und übersetzt. Das Multilayer Perceptron (1986) hat sich unter anderem mit Spracherkennung befasst, genauso wie das Convolutional Neural Network (1998) und weitere. Für Textanalyse wurden lange Zeit Long short-term memory (LSTM, 1997) Netzwerke verwendet, beispielsweise 2016 von Google für Spracherkennung und Übersetzungen oder von Amazon für Alexa, bevor sie in den letzten Jahren vermehrt durch Transformer Netzwerke (ab 2017) abgelöst wurden. 2012 schlug AlexNet als erstes Deep Learning Verfahren für einen Bilddatensatz alle klassischen Verfahren, was zum Deep Learning Boom führte. Die KI-Systeme wurden nun so gut, dass eine Anwendung auf ein so komplexes Feld wie automatische Erkennung psychologischer Merkmale aus Sprache denkbar wurde.

PRECIRE bringt die Forschungsansätze von KI und Psychologie erstmals beidseitig zusammen:

PRECIRE erkennt psychologische Merkmale direkt aus Sprache. Das funktioniert nur, wenn die Psychologie Methoden der KI nutzt und umgekehrt. Denn Sprache ist ein äußerst komplexes Phänomen, das moderne und vielschichtige Methoden braucht, um mathematisch verständlich und bearbeitbar zu sein.

Die Psychologie legt fest, was aus der Sprache gemessen werden soll. Das Modell der Kommunikationsstile verdeutlicht, was die KI abbilden soll. Zudem ist die Stärke der Psychologie, eine gute Erhebung zu designen und entsprechende Messinstrumente zu entwickeln, Datenqualität zu prüfen, auf Biases und Fairness in Tests zu achten, die Interpretierbarkeit der Ergebnisse sicherzustellen und nützliche Ergebnisberichte herzustellen.

Die KI kodiert Wörter, Wortkombinationen, Satzstrukturen, Syntax und andere Aspekte in Zahlen. Das, wovon bereits die Forscher auf der Dartmouth Konferenz ausgegangen sind, ist mittlerweile möglich. Zudem werden psychologische Daten in millionenfachem Ausmaß erhoben. Diese Datenmenge ist erforderlich, um ein künstlich intelligentes Modell zu trainieren. Mit solch großen Datenmengen umzugehen, ist Stärke der Informatiker, die auf der Datenbasis eine künstliche Intelligenz trainieren können. Aus Psychologie und Informatik kombiniert ergeben sich sinnvolle Gütemaße für die Vorhersage psychologischer Ergebnisse aus Sprache.

PRECIRE bringt zusammen, was zusammengehört. Psychologie und KI. Während KI sich bereits per Definition aus Erkenntnissen der Psychologie bedient, nutzt PRECIRE als eine der ersten Anwendungen Methoden aus der Informatik und KI-Forschung, um psychologische Merkmale direkt aus Sprache zu erkennen. Über ein stabiles psychologisches Modell, millionenfache Datenerhebung und ein mathematisches Verständnis von Sprache, wird es möglich, menschliche Verständigung auf ein neues Level zu heben.

Mit PRECIRE können Menschen ihre Wirkung im Alltag erkennen und zielgerichtet verbessern. Interaktionsmechanismen in Organisationen werden offensichtlich, die Zusammenarbeit wird gestärkt, individuelle Ziele leichter erreicht und Prozesse werden effizienter. PRECIRE hilft dir, die richtigen Worte zu finden.

Neueste Beiträge

Wir informieren dich über aktuelle Studien, Neuigkeiten und Veröffentlichungen

23. September 2020
News-Beitrag, News-Startseite, Presse-Beitrag
Digitaler Kommunikationsmanager mit KI
Kommunikation mit Wirkung ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für jegliche Vertriebs-, Marketing un...
10. Juli 2020
Branchen-News, News-Beitrag
So geht Content-Marketing in schwierigen Zeiten
In einer Live-Call-Expertenrunde vom Unternehmer-Magazin Digital sprach Thomas Belker darüber, wie d...
2. Juli 2020
News-Beitrag, Presse-Beitrag
Mit kommunikationsstarken Führungskräften den digitalen Wandel in deinem Unternehmen meistern
PRECIRE Technologies stellt für die digitale Lernplattform oddity evolve die künstliche Intelligenz ...
26. Juni 2020
Branchen-News, News-Beitrag
Selbst in der Krise den richtigen Ton treffen
In Zeiten der Krise kommt es auf Rücksichtnahme und ein positives Miteinander an. Darauf hat...

Jetzt Kontakt aufnehmen

Wir freuen uns über dein Interesse und melden uns zeitnah

PRECIRE sorgt dafür, dass deine Botschaften richtig ankommen und du die Wirkung entfaltest, die du auch wirklich entfalten möchtest.

Nimm Kontakt mit uns auf, wenn du deine Produktivität erhöhen, Kunden binden, Umsätze steigern, Kosten senken und deine Unternehmenskultur bereichern möchtest.

Diese Unternehmen setzen bereits auf die innovative PRECIRE Technologie

Wir beraten dich gerne individuell & persönlich



Die Telefonnummer darf nur aus Zahlen und folgenden Zeichen bestehen: + ( ) - /
Die E-Mail-Adresse sollte ein '@'-Zeichen und eine gültige Domain mit einem Punkt enthalten.